Ein starker Auftritt

Ein starker Auftritt

Ein starker Auftritt – Schritt für Schritt fit

Zwischen der Funktion der Füße und der Wirbelsäule besteht ein direkter
Zusammenhang, der den meisten Menschen nicht bekannt ist. Aber auch
umgekehrt gibt es Zusammenhänge zwischen der Wirbelsäulenhaltung
und möglichen Deformierungen der Füße. Ebenfalls scheint es Verkettun-
gen zwischen Fußsohle und Organsystemen zu geben.

„Entscheidend für die Entwicklung der Füße ist die richtige Geh- und Steh-
technik sowie die möglichst natürliche Beanspruchung der Füße“, so Dr.
med. Olaf Then aus Sauerlach bei München. Unser Magazin sprach mit
dem Orthopäden und Manualtherapeuten über Steh- und Gehtechniken
sowie die Masai-Barfuß-Technologie (MBT), ein innovatives Schuhkonzept
gegen Rücken- und Gelenkprobleme.

Gesundheit in Sachsen: Herr Dr. Then, Sie leiten eine orthopädische Privatpraxis und gelten als Spezialist für die nicht operative Behandlung von chronischen Gelenks- und Wirbelsäulenschmerzen. Besonderes Augenmerk richten Sie auf die Behandlung des Fußes. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht der Einfluss der Füße auf den Körper?

Dr. Then: Die Füße sind sicherlich einer der wichtigsten Bausteine des Körpers. Sie stellen nicht nur das Fundament unserer statischen Körperkonstruktion dar, sondern sind auch eines der wichtigsten „Zahnräder“ im dynamischen Bewegungssystem des Körpers. Über Reflexzonen und Akupunktur punkte scheint auch ein Bezug zu Organen zu bestehen. Der Einfluss der Füße auf den Gesamtkörper ist enorm. Leider sind aber gerade die Füße bei den meisten Menschen durch falsche Geh und Stehtechniken sowie das dauernde Tragen von geh und stehunfreundlichen Modeinstrumenten – also den meisten Schuhen – verkümmert.

Gesundheit in Sachsen: Welche Therapievorschläge hat die Orthopädie dafür?

Dr. Then: Die Orthopädie verschreibt hier für meist Einlagen, was jedoch keineswegs ausreicht. Meine Therapievorstellungen beinhalten bei allen Gelenkproblemen immer einen Wiederaufbau der Füße. Dies erreiche ich über die Anwendung einer speziellen Geh und Stehtechnik (Biomechanisch richtiges Stehen© und Biomechanisch richtiges Gehen® nach Dr. Then) in Kombination mit Spezialübungen aus meiner Medizinischen Bewegungstherapie (MBTHEN) sowie der Anwendung des sogenannten MBT-Schuhs.

Gesundheit in Sachsen: Welche Bedeutung hat die richtige Geh und Stehtechnik?

Dr. Then: Gerade der richtigen Geh und Stehtechnik kommt eine vielfach unter schätzte Funktion zu, weil es sich bei beiden um Körpertätigkeiten handelt, die in Alltagssituationen durchgeführt werden. Im Verlauf des Lebens kommt es beim Gehen zu einer gewaltigen Anzahl von Schritten,
die je nach Technik schädigend oder aber hilfreich sein können. Bei der richtigen Geh und Stehtechnik gibt es viele verschiedene Ansichten. Ich empfehle aus anatomisch funktionellen sowie statisch-mechanischen Gründen die von mir entwickelten Techniken des Biomechanisch richtigen Gehens® und Biomechanisch richtigen Stehens©, jeweils mit der optimierten Aufrichtung und Körperaufspannung über den Dr. Then Punkt®.
Aus statischer, anatomischer und mechanischer Sicht ergibt sich eine nur minimale Gelenks und Wirbelsäulenbelastung, wenn die sogenannte unwillkürliche Aufrichtungs- und Dauermuskulatur optimal trainiert wird. Zusätzlich ergeben sich positive Wirkungen auf nahezu alle Körperfunktionen – vom Ausgleich der muskulären Ungleichgewichte über Haltungsverbesserungen bis hin zur verbesserten Lymph-, Venen und sogar Darmtätigkeit. Es kommt gewissermaßen zu einem Selbstregulierungsvorgang. Die Technik des biomechanisch richtigen Stehens© richtet über die Dauermuskulatur den Körper allgemein und die Füße im Speziellen auf. Durch diese Steh- und Gehtechniken kann auch dem schädlichen Sitzen ein wenig entgegengewirkt werden.

Gesundheit in Sachsen: Was halten Sie denn von Einlagen?

Dr. Then: Vor allem durch den Orthopädieschuhmacher fachmännisch angefertigten Einlagen und Schuhzurichtungen wie Abrollhilfen, Absatzweichpufferungen, Negativabsatzschneidungen kommt – die richtige Diagnose und die hochwertige Fertigung vorausgesetzt – eine entscheidende Funktion zu. Einlagen stellen aber nur ein passives Hilfsmittel dar und müssen unbedingt durch eine aktive Therapie ergänzt werden. Sonst würde der Fuß weiter verkümmern.

Gesundheit in Sachsen: Wie können Patienten dem entgegenwirken?

Dr. Then: Zum Schutz davor empfehle ich vor allem, häufig barfuß zu gehen und andere sogenannte propriozeptive Trainingsgeräte zu verwenden. Zu ihnen zählen etwa das Wackelbrett oder Schuhe mit der MasaiBarfuß-Technologie. Ideal ist die Kombination mit Übungen aus meiner medizinischen Bewegungstherapie, die man gut während der Alltagstätigkeiten machen kann.

Gesundheit in Sachsen: Der MBT-Schuh ist inzwischen ein anerkanntes medizinisches Therapiegerät, wird aber von vielen Medizinern noch immer belächelt. Wie wurden Sie auf den MBT-Schuh aufmerksam?

Dr. Then: Ich bin über einige Umwege zum MBT-Schuh gekommen. Als ehemaliger Leistungssportler erlitt ich vor vielen Jahren eine Fußverletzung. Dies war der Beginn einer über 14 Jahre dauernden Sportinvalidität. Zugleich war die Verletzung aber auch der Ausgangspunkt dafür, dass ich mich sehr eindringlich mit den Zusammenhängen des menschlichen Körpers auseinandergesetzt habe. Anfangs hatte ich nur Schmerzen im Fuß. Später haben sich jedoch durch den gestörten Abrollvorgang Hüftprobleme und selbst bei normalen Alltagstätigkeiten starke Rückenschmerzen entwickelt, die bis in die Halswirbelsäule reichten. Ich probierte viele Therapien aus: Akupunktur, Cortisonspritzen, Kräftigungstherapie, Massagen, Magnetfeldtherapie, Physiotherapie, Psychotherapie, Schmerztherapie, Triggerpunkttherapie und viele weitere. Doch trotz der Möglichkeit, als Arzt an nahezu alle Therapiemethoden zu gelangen, konnte ich meine Situation letztendlich nicht entscheidend verbessern. Durch die positive Wirkung von sogenanntem koordinativem oder auch propriozeptivem Training auf Wackelbrettern sowie dem Wissen über den enormen Einfluss des „lädierten“ Fußes auf meinen Körper angespornt, kam ich letztendlich auf den Maschinenbauingenieur Karl Müller, den Erfinder des MBT-Schuhs aus der Schweiz.

Gesundheit in Sachsen: Wie hat sich das Tragen des MBT-Schuhs auf Ihre Gesundheit ausgewirkt?

Dr. Then: Meine Idee war, den MBT-Schuh mit einer speziellen Trainings-, Bewegungs- und Haltungsart zu kombinieren. Dadurch konnte ich meiner 14 Jahre andauernden Schmerzen Herr werden. Ich spiele jetzt sogar wieder Tennis.

Gesundheit in Sachsen: Ihr Wissen setzen Sie nun auch im medizinischen Alltag ein…

Dr. Then: Richtig. Als Oberarzt konnte ich mit diesem System (MBT-Schuh in Kombination mit Biomechanisch richtigem Gehen®

und Biomechanisch richtigem Stehen© sowie Spezialübungen je nach Problematik) bei über 700 Patienten Erfahrungen mit großem Erfolg sammeln sowie Beobachtungen zu den Grenzen des Systems machen.

Gesundheit in Sachsen: Welchen Stellenwert messen Sie dem MBT-Schuh als Therapie- und Trainingsgerät zu?

Dr. Then: Der MBT-Schuh ist sicherlich eine der wichtigsten Erfindungen in der Orthopädie, da er sowohl zur Therapie als auch zur Prophylaxe von Arthrosen der Ge lenke und der Wirbelsäule auf einfache Weise im Alltag eingesetzt werden kann. Im Vergleich zu anderen oft unwirksamen Therapiegeräten ist der MBT noch bezahl bar. Damit eine positive Wirkung erreicht werden kann, ist allerdings die richtige Beratung bezüglich der Anwendungsge biete sowie vor allem die richtige Anwen dungsweise beim Tragen des MBT-Schuhs entscheidend.​

Gesundheit in Sachsen: Was ist das Be sondere am MBT-Schuh?

Dr. Then: MBT ist die Abkürzung für Masai Barfuß-Technologie und wurde von dem Schweizer Karl Müller entwickelt. Der MBT stellt eigentlich ein sportmedizinisches Trai ningsgerät dar, das sich nach gewisser Ein übungszeit sowie Anwendungsvorgaben wie ein Schuh tragen lässt.

Gesundheit in Sachsen: Wie erreicht der MBT seine Wirkung?

Dr. Then: Ziel und Wirkung sind eine auf rechte und damit statisch-mechanisch optimierte Körperhaltung sowie eine Ge lenkschonung durch weiches, stoßarmes Laufen. Erreicht wird diese durch eine opti mierte Muskelvorspannung – speziell von Kniegelenken, Hüftgelenken und Wirbel säule. Dies ähnelt dem Barfußgehen im weichen Sand oder auf Waldboden. Das eigentlich wirksame Therapie-Gerät ist die speziell geformte Sohle, die den Fuß durch ihre gerundete Außenfläche und Kippkan te weich abrollen lässt. Beim Stehen füh ren Kippkante und Sohlenrundung zu ständigen Balancieraktionen. Die thera peutische Sohle ist mit einem herkömmli chen Aufbau mit dem Oberteil (Sandale, Straßenschuh, Sportschuh, hier Straßen schuh) verbunden.

Der MBT ist durch seine spezielle Konstruk tion sowohl im Stehen als auch im Gehen – im Gegensatz zum herkömmlichen Schuh – ein zum Balancieren forderndes Trainings und Therapiegerät.

Die Konstruktion beinhaltet aus orthopädie technischer Sicht eine Abrollhilfe, einen Negativabsatz und eine Fersenweichpuffe rung. Diese Komponenten werden bereits seit Jahrzehnten in der Orthopädie mit posi tivem Erfolg etwa bei Hüftarthrose und Kniearthrose verschrieben. Der zusätzliche Vorteil des MBT gegenüber anderen Thera piegeräten wie dem Wackelbrett liegt in der weitaus einfacheren Anwendbarkeit. Die einfache Technik sowie die leichte Handha bung ermöglichen dem Patienten, den MBT überall als Trainingsmöglichkeit anzusehen (sonstige Geräte benötigen Platz, meist nur beim Physiotherapeuten zugänglich).

Ein weiterer entscheidender Vorteil des MBT ist, dass er auch im Gehen anwendbar ist. Es kommt hierbei zu einer gesteigerten positiven Muskelaktivierung sowie zur Koordinations verbesserung der einzelnen Muskelgruppen untereinander. Dieser Effekt wird weder durch die genannten Therapiegeräte noch durch übliches Schuhwerk ermöglicht.

Gesundheit in Sachsen: Bei welchen Er krankungen haben Sie positive Erfahrungen mit dem MBT gemacht?

Dr. Then: Positive Erfahrungen habe ich bei folgenden Indikationen festgestellt: Großzehenarthrose, leichten bis mittel schweren Fußdeformitäten wie dem Knick fuss, Spreizfuss, Hallux valgus, leichte Knie arthrose, leichte Knieinstabilität, Hüftarthro se, Bewegungseinschränkungen der Hüfte nach Hüftprothesen, unterer Wirbelsäulen schmerz (Lumbago), Achillodynie, M. Bech terew, Gangunsicherheit beim alten Men schen, Halswirbelsäulenschmerzen durch muskuläre Dysbalancen und Fehlstatik.

Die Konstruktion des MBT:

Den Kern des MBT bilden drei Bausteine: • die dreidimensional geformte  Fiberglaspallte (1) • die Kipp-Kante (2) • der Fersentaster MBT-Spezialverbindungen ermögli chen aus den unterschiedlichsten Materialien die milionenfach belastba re, physikalische MBT-Einheit.

 Gesundheit in Sachsen: Auf was sollte ein Patient beim Tragen des MBT-Schuhs ach ten?

Dr. Then: Entscheidend ist jeweils die genaue Einführung in die Anwendungstech nik und die Hinweise auf Spezialübungen sowie auf das mögliche Vermeiden von er krankungsspezifischen Falschbelastungen. Damit meine ich, dass immer bedacht wer den muss, dass Patienten etwa mit Fersen problemen leicht verändert gehen zu einem Patienten mit Vorfußproblemen.

Gesundheit in Sachsen: Gibt es auch Fälle, bei denen der MBT nicht angewandt wer den soll?

Dr. Then: Nicht angewandt werden soll der MBT bei Patienten, bei denen Sturzgefahr besteht. Allerdings kann hier mit Hilfe eines Physiotherapeuten trainiert werden. Indivi duell ist die Anwendung des MBT bei unte rer Sprunggelenksarthrose und schwerer Knieinstabilität auszutesten, da der MBT da erhöhte Belastungen provozieren kann. Bei Schwangeren rate ich keinesfalls zu einer unkontrollierten Anwendungsweise.

Gesundheit in Sachsen: Welche Zukunfts projekte hegen Sie?

Dr. Then: Mein Ziel ist die Aufklärung der Mitmenschen über die enorme Wirkung des richtigen Bewegens im Hinblick auf die Vermeidung und Therapie von Arthrosen und Rückenschmerzen, welche meiner An sicht nach in den meisten Fällen nicht nötig wären. Die richtige Bewegungstechnik und die richtigen Schuhe sind bei einer Therapie vorausgesetzt. Im Moment bin ich neben meiner Praxistätigkeit mit der Entwicklung eines nach biomechanischen Gesichts punkten konstruierten Fahrradsattels be schäftigt, der die gesundheitsschädigende Belastung auf die Geschlechtsorgane so wie Prostata vermeiden wird. Künftig wer den auch Kurse, Seminare und Vorträge zu den Themen des biomechanisch richtigen

Stehens und Gehens® und meiner Medizini schen Bewegungstherapie (MBTHEN©) erfol gen. Termine stehen allerdings noch nicht fest.

Gesundheit in Sachsen: Was raten Sie Patienten mit chronischen Gelenk und Rückenproblemen?

Dr. Then: Patienten sollten neben dem Arzt, Physiotherapeuten oder Masseur un bedingt einen Orthopädieschuhmacher auf suchen. Durch einfache und nicht teure Schuhzurichtungen kann oft die Belastung auf Rücken und Gelenke verringert werden. Wichtig dabei ist die richtige Steh und Gehtechnik während des Tages. Operatio nen sind dann gar nicht unbedingt nötig. Patienten sollten daher nicht zu schnell ei ner Operation zustimmen, sondern sich vor her immer eine zweite Meinung einholen.

Gesundheit in Sachsen: Herr Dr. Then, wir bedanken uns für das informative Gespräch.

Menü schließen