Der Mensch ist von Natur aus ein Barfuss-Gänger,
der sich auf natürlichem Boden, d.h. unebenen Oberflächen hinsichtlich der anatomischen Fuss- und Körperkonstruktion bewegen sollte. Wäre er bezüglich seiner Bewegungsfunktion andersartig angepasst, hätte ihn die Natur mit “Schuhen” = Hufe, ähnlich der Pferde ausstatten können.

In den Industrieländern haben der Grossteil der Bevölkerung (80%) im Gegensatz zu bestimmten Naturvölkern das Problem von Rücken- beschwerden und des Gelenkverschleisses. Alleine in Deutschland müssen deshalb pro Jahr etwa 70 000 künstliche Hüftgelenke, 50 000 künstliche Kniegelenke und etwa 120 000 Operationen im Bereich der Wirbelsäule durchgeführt werden.

Der Grund für das unterschiedliche Auftreten dieser verschleissbedingten Erkrankungen im Vergleich der Industrie- zu den Naturvölkern liegt nicht etwa in einer anderen Körper- oder Gewebezusammensetzung, er liegt im unterschiedlichen Bewegungsverhalten beim Gehen. Während wir mit meist aus modischen Gesichtspunkten ausgesuchten Schuhen auf immer gleichförmigen, ebenen, geraden und harten Boden(technisierter Untergrund) gehen, gehen die Naturvölker barfuss im unebenen Naturboden. Dies führt zu verschiedenen Bewegungsformen beim Gehen wie z.B. der Männerschuh zum Wackel- oder Pendelgang, der Frauenschuh eher zum Wipp- oder Stacksergang führt. Das Barfussgehen im unebenen Boden führt dagegen zum sog. Natur- oder Rotationsgang, der für den deutlich geringeren Gelenkverschleiß verantwortlich ist. Dieser entspricht genau dem “biomechanisch richtigen Gehen”.

Gelenkschonendes Gehen aus biomechanischer Sicht

Gehen stellt im biomechanischen Sinne eine Bewegung eines sich bewegenden Systems (Körper), ähnlich einer Konstruktion aus mehreren, miteinander verbundenen Zahnrädern dar. Ähnlich diesem Zahnradsystem gehorchen auch die menschlichen Gelenke genau den Gesetzen der Statik und der Mechanik. 

Gelenkschonendes Gehen muss aus biomechanischer Sicht demnach derartig erfolgen, dass Einzelbewegungen auf möglichst viele Gelenke verteilt eine Gesamtbewegung ergeben. Desweiteren müssen die Bewegungen gleichmässig und harmonisch sein. Die Bewegungsamplituden der Gelenke müssen sich gering halten und möglichst nahe der statisch optimalen Position, d.h. bei geringer Winkelbelastung erfolgen. Seitwärts sowie Auf/Ab-Bewegungen müssen vermieden werden. 

Am menschlichen Körper bedeutet gelenkschonendes Gehen , dass sich spiralige Bewegungen durch den ganzen Körper beim Gehen hindurchsetzen.

Biomechanisch richtiges Gehen:
  • Aufrichtung über Dr.Then-Punkt
  • Rotationsgang mit Umkehr und Maximum BWK12
  • Kleine Schritte (nahe Bewegungszentrum des Gelenks)
  • Bewegungsverteilung auf alle Gelenke
  • Pendelgang
  • Muskuläre Gelenkführung
  • Fussausrichtung in die Gehrichtung/anatomische Abrollrichtung
  • Untere Brustbeinspitze (Xiphoid) Richtung Kreuzbein ziehen
Biomechanische Fehler beim Gehen
  • Auf/Ab-Bewegungen sowie
  • Seitwärts- oder Wackelbewegungen des Oberkörpers
  • Hubgang ( Gehen mit Hüft- und Kniebeugung statt Streckung)
  • Fussausrichtung entgegen der Gehrichtung (aussen/innen)
  • Fallgang (In den Schritt hinein fallen lassen)
  • Stemmgang (sich gegen den Boden stemmen)
Eine weitere wichtige gelenkschonende und körperverbessernde Veränderung stellt die Aufrichtungsvorstellung über den sog. Dr.Then-Punkt dar:

In der Physiotherapie ist allgemein bekannt sich am sogenannten Kronen-Punkt aufzurichten, oder sich an diesem Punkt, wie von einem Haken nach oben gezogen zu fühlen. 

Dieses System ist jedoch nur bedingt richtig, da es aus biomechanischer Sicht nur in den statischen Tätigkeiten wie Sitzen und Stehen brauchbar ist.

Speziell im dynamischen System z.B. Gehen oder Laufen muss der Körper entsprechend der Bewegungsvektoren bzw. Kraftvektoren anders ausgerichtet werden, da sich sonst Kraftvektoren entgegenstehen und somit Brems- und Scherkräfte entstehen würden. Deshalb ist eine Aufrichtung des Körpers über den Dr.Then-Punkt (Zentrum des Sterno-manubrial-Gelenkes) mit einem Idealwinkel von 45° nach oben vorne (Sektor 30-60°) unbedingte Voraussetzung, da sich sonst die entsprechenden Kraftvektoren für Aufrichtung und Bewegung widersprechen würden. (90° Situation)
Das Zentrum des Richtungswechsels der Spiralen ist in Höhe BWK 12 anatomisch durch die grösste Rotationsmöglichkeit lokalisiert.

Die von dort bzw. zu diesem Zentrum gehenden Bewegungen setzen sich auf Arme und Beine contralateral fort.
Es kommt hierdurch zu einer Verschraubung der Gewebe ( Muskeln, Bänder Faszien etc), die zum einen eine Stabilisierung, d.h. Sicherung bewirken, zum anderen eine Art der Bewegungskette darstellt, die jedem Gelenk lediglich ein kleines Bewegungsausmaß zu spricht und es damit schont.

Durch diese Bewegungsart ist es möglich gleichmässige (vs. ruckartige)Bewegungen, der Anatomie der Einzelgelenke entsprechende Bewegungsachsen, sowie entsprechend statischen Gesetzen möglichst senkrecht auftreffende Kräfte wirken zu lassen. Zusätzlich werden ohne grossen Energieaufwand Gelenke über die spiraligen Mechanismen gesichert. Ermöglicht wird dies jedoch nur durch eine spiralförmige Abroll-Bewegung des Fusses, wie es auf unebenen Boden barfuss gehend möglich ist.

Durch die Anwendung einer Konstruktion, die diese beiden Merkmale (barfuss=rollbar; uneben=spirale) ermöglicht , ist es auch möglich dieses gelenkschonende Gehen auf technisierten Boden durchzuführen.
Hinsichtlich eines schuhartigen Gebildes muss dieser einen Negativ-Absatz haben, der in einem Winkel nach hinten im Sinne einer Rundung offen ist, sowie die Möglichkeit haben in sich verdrehbar zu sein.

Desweiteren muss in der Lauffläche ein Radius integriert sein, sodass überleitende Bewegungen möglich sind.
Die Erst-Kontaktfläche sollte die Möglichkeit einer Geschwindigkeitsverzögerung beinhalten, um daraus bessere Informationen zur muskulär notwendigen Spannungs- und Koordinationseinstellung gewinnen zu können (Propriozeption).

Der MBT erfüllt dies optimal.

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